REMIT-Exposure-Reporting (Berichterstattung über Risikopositionen) im Rahmen von REMIT 2
Neue Berichtspflicht für Marktteilnehmer mit signifikanten Strom- oder Gaspositionen
Entwurfsstatus: Der Leitfaden der ACER zur Berichterstattung über Risikopositionen (Exposure Reporting) unter REMIT liegt derzeit als Entwurf vor. Der Leitfaden kann daher noch weiteren Änderungen oder Präzisierungen unterliegen. Marktteilnehmer sollten künftige Veröffentlichungen und Updates der ACER verfolgen.
Die neue REMIT-Durchführungsverordnung führt das Exposure-Reporting (die Berichterstattung über Risikopositionen) als zusätzliche Berichtspflicht für bestimmte Marktteilnehmer ein, die auf den EU-Großhandelsmärkten für Energie tätig sind.
Das Exposure-Reporting soll der ACER einen Überblick über die künftigen Positionen von Marktteilnehmern verschaffen, die sich aus Großhandelsenergieprodukten ergeben. Es gilt für Positionen in Strom und Erdgas, die getrennt voneinander bewertet werden.
Gemäß Artikel 6 der Durchführungsverordnung (EU) 2026/256 der Kommission müssen Marktteilnehmer Positionen melden, die sich aus dem Handel mit Großhandelsenergieprodukten ergeben, sowie – sofern erforderlich – prognostizierte Mengen der Strom- oder Erdgasproduktion und des -verbrauchs.
Was ist das REMIT-Exposure-Reporting?
Das REMIT-Exposure-Reporting bedeutet die Meldung von aggregierten künftigen Positionen, die sich aus Großhandelsenergieprodukten ergeben.
Im Gegensatz zur Transaktionsberichterstattung konzentriert sich das Exposure-Reporting nicht auf jede einzelne Transaktion. Stattdessen müssen Marktteilnehmer, die den relevanten Schwellenwert überschreiten, ihre Positionen monatsweise aggregiert für den erforderlichen künftigen Berichtszeitraum melden.
In der Praxis umfasst das Exposure-Reporting Positionen, die sich aus Großhandelsenergieprodukten mit folgenden Merkmalen ergeben:
- physischer Lieferung; oder
- finanzieller Abrechnung (Cash Settlement).
Dies kann beispielsweise Forwards, Futures, Optionen und andere relevante Großhandelsenergieprodukte umfassen.
Wer unterliegt der Exposure-Reporting-Pflicht?
Das Exposure-Reporting gilt für Marktteilnehmer, deren Positionen den relevanten Schwellenwert erreichen oder überschreiten.
Der Schwellenwert beträgt:
600 GWh pro Jahr
Dieser Schwellenwert wird getrennt bewertet für:
- Strom; und
- Erdgas.
Das bedeutet, dass ein Marktteilnehmer den Schwellenwert für Strom überschreiten, aber unter dem Schwellenwert für Erdgas liegen kann, oder umgekehrt.
Wichtig: Wie das Netting (die Verrechnung) bei der Schwellenwertbewertung angewendet wird
Gemäß dem aktuellen Entwurf des ACER-Leitfadens zur Berichterstattung über Risikopositionen unter REMIT werden Kauf- (+) und Verkaufspositionen (−) zunächst für die relevante Ware, das Lieferland und den Liefermonat aggregiert und verrechnet (genettet).
Der absolute Wert der sich ergebenden monatlichen Nettoposition wird dann für die jährliche Schwellenwertbewertung herangezogen. Die absoluten Monatswerte werden summiert und mit dem Schwellenwert von 600 GWh pro Jahr verglichen, getrennt für Strom und Erdgas.
Das bedeutet, dass sich Kauf- und Verkaufspositionen innerhalb der relevanten monatlichen Aggregation gegenseitig aufheben können. Positive und negative Nettopositionen aus verschiedenen Monaten oder Lieferländern dürfen bei der Berechnung des jährlichen Schwellenwerts jedoch nicht miteinander verrechnet werden.
Beispiel
| Monat | Kauf (+) | Verkauf (−) | Aggregiertes Nettovolumen | Absoluter Monatswert für die Schwellenwertbewertung |
|---|---|---|---|---|
| Oktober 2027 | 30 GWh | 25 GWh | +5 GWh | 5 GWh |
| November 2027 | 20 GWh | 10 GWh | +10 GWh | 10 GWh |
| Dezember 2027 | 15 GWh | 18 GWh | −3 GWh | 3 GWh |
Für Oktober lautet die Berechnung 30 GWh − 25 GWh = +5 GWh. Der für die Schwellenwertbewertung herangezogene Wert ist daher |+5| = 5 GWh.
Für die oben gezeigten drei Monate beträgt der Beitrag zum jährlichen Schwellenwert 5 + 10 + 3 = 18 GWh. Die Netto-Leerverkaufsposition (Net Short) im Dezember von −3 GWh wird nicht mit den positiven Nettopositionen von Oktober und November verrechnet, da der absolute Wert jeder monatlichen Nettoposition herangezogen wird.
Welcher Zeitraum muss gemeldet werden?
Die Positionen müssen monatsweise aggregiert für jeden der 18 Monate nach dem letzten Tag des Referenzzeitraums gemeldet werden.
Das bedeutet, dass der Marktteilnehmer seine offenen Positionen am letzten Tag des Referenzzeitraums berechnet und die monatlich aggregierten Positionen für die nächsten 18 Monate meldet.
Die ACER hat klargestellt, dass die erste Meldung voraussichtlich bis zum 31. Oktober 2027 erfolgen soll und die monatlichen Positionen von Oktober 2027 bis März 2029 abdeckt.
Beispiel
Wenn der Referenzzeitraum am 30. September 2027 endet, berechnet der Marktteilnehmer seine Positionen zu diesem Datum und meldet seine monatlichen Positionen für:
- Oktober 2027
- November 2027
- Dezember 2027
- …
- März 2029
Alle späteren Änderungen an den Positionen werden im nächsten Berichtszyklus berücksichtigt.
Häufigkeit der Berichterstattung
Das Exposure-Reporting soll voraussichtlich auf vierteljährlicher Basis eingereicht werden.
Die erste Meldung wird voraussichtlich fällig bis:
31. Oktober 2027
Danach wird von Marktteilnehmern, die über dem Schwellenwert liegen, erwartet, dass sie ihre Positionen vierteljährlich melden.
Day-Ahead- und Intraday-Spotmarktdaten
Day-Ahead- und Intraday-Spotmarktdaten sollten für die Zwecke des Exposure-Reporting im Allgemeinen nicht einbezogen werden.
Das Exposure-Reporting ist zukunftsgerichtet und konzentriert sich auf künftige Positionen. Die ACER weist darauf hin, dass Day-Ahead- und Intraday-Spotmarktdaten für das Exposure-Reporting nicht berücksichtigt werden sollten, während Forwards, Futures und Optionskontrakte, sofern relevant, einbezogen werden sollten.
Prognostizierte Erzeugung und Verbrauch
Artikel 6 bezieht sich auch auf Informationen über prognostizierte Mengen der Strom- oder Erdgasproduktion und des -verbrauchs.
Die ACER weist jedoch darauf hin, dass solche prognostizierten Erzeugungs- und Verbrauchsdaten auf Anfrage der ACER angefordert werden. Marktteilnehmer sollten daher unterscheiden zwischen:
- der regelmäßigen Meldung von Positionen, wenn der Schwellenwert erreicht wird; und
- prognostizierten Produktions- oder Verbrauchsdaten, die auf Anfrage der ACER erforderlich sein können.
Weitere technische Leitfäden und Berichtsformate werden von der ACER erwartet.
Batteriespeicher und Exposure-Reporting
Batteriespeicher sollten im Allgemeinen als Teil der Strom-Exposure-Berichterstattung behandelt werden.
Wenn batterierelevante Verträge als Großhandelsenergieprodukte gelten, sollten die sich daraus ergebenden Positionen in die Berechnung der Strom-Risikoposition (Electricity Exposure) des Marktteilnehmers einbezogen werden.
Dies kann beispielsweise Folgendes umfassen:
- Strom-Forwards, die mit dem Laden oder Entladen der Batterie verbunden sind;
- Futures oder Optionen in Bezug auf Strom;
- physische oder finanziell abgerechnete Strompositionen, die mit der Marktaktivität der Batterie verbunden sind.
Wenn der Marktteilnehmer den Schwellenwert von 600 GWh pro Jahr für Strom erreicht oder überschreitet, müssen die relevanten batteriebezogenen Strompositionen in das Exposure-Reporting einbezogen werden.
Batteriespeicher sollten nicht als separate Exposure-Kategorie behandelt werden. Sie werden normalerweise unter Strom eingestuft.
Praktische Zusammenfassung
Das REMIT-Exposure-Reporting ist eine neue Berichtspflicht für Marktteilnehmer mit signifikanten Strom- oder Erdgaspositionen.
Die wichtigsten Punkte sind:
- Das Exposure-Reporting gilt für aggregierte künftige Positionen.
- Strom und Erdgas werden getrennt voneinander bewertet.
- Der relevante Schwellenwert beträgt 600 GWh pro Jahr.
- Kauf- (+) und Verkaufspositionen (−) werden innerhalb der relevanten monatlichen Aggregation verrechnet (genettet).
- Der absolute Wert jeder monatlichen Nettoposition wird herangezogen, und die absoluten Monatswerte werden für die jährliche Schwellenwertbewertung summiert.
- Die Positionen werden monatlich für die folgenden 18 Monate gemeldet.
- Die erste Meldung wird voraussichtlich bis zum 31. Oktober 2027 fällig.
- Day-Ahead- und Intraday-Spotdaten sollten im Allgemeinen nicht einbezogen werden.
- Prognostizierte Produktions- und Verbrauchsdaten können auf Anfrage der ACER erforderlich sein.
- Batteriespeicher-Positionen werden im Allgemeinen als Strompositionen behandelt, sofern die zugehörigen Verträge als Großhandelsenergieprodukte gelten.
Praktische Zusammenfassung
Exposure Reporting ist eine neue, regelmäßige Pflichtmeldung über Positionen, Erzeugungs- und Verbrauchsprognosen, die ACER einen besseren Überblick über Marktrisiken verschaffen soll.
Die wichtigsten Punkte sind:
-
- Exposure Reporting betrifft aggregierte zukünftige Positionen.
Marktteilnehmer müssen quartalsweise an ACER berichten:- ihre Handelspositionen (offene Positionen in Strom und Gas),
Prognostizierte Produktions- (Kraftwerke, EE-Anlagen etc.), und Verbrauchsdaten (Absatz an Endkunden) können auf
- ihre Handelspositionen (offene Positionen in Strom und Gas),
- Strom und Erdgas werden getrennt bewertet.
- Der relevante Schwellenwert beträgt 600 GWh pro Jahr.
Kleinere Akteure sind ausgenommen, um den administrativen Aufwand zu reduzieren.
Berichtet wird in aggregierter Form (keine Einzeltransaktionen). - Für die Schwellenwertprüfung dürfen Positionen nicht einfach genettet werden.
ACER verweist auf die Summe der absoluten monatlichen Werte. - Positionen werden monatlich für die folgenden 18 Monate gemeldet.
- Die erste Meldung ist voraussichtlich bis 31. Oktober 2027 erforderlich.
- Day-Ahead- und Intraday-Spotmarktdaten sollten grundsätzlich nicht einbezogen werden.
- Batteriespeicherpositionen werden grundsätzlich als Strompositionen behandelt, sofern die zugrunde liegenden Verträge als Energiegroßhandelsprodukte qualifizieren.
- Exposure Reporting betrifft aggregierte zukünftige Positionen.
Zweck
-
- ACER will besser verstehen, wie exponiert Marktteilnehmer gegenüber Preisschwankungen sind.
- Damit können Marktrisiken, Engpässe und mögliche Marktmanipulationen frühzeitiger erkannt werden.
- Es geht also nicht um einzelne Transaktionen, sondern um das Gesamtbild (Exposure).
